Wahlprogramm 2026 - 2031 der ÖDP im Landkreis Bad Tölz – Wolfratshausen
1. Präambel: Verantwortung im Alpenvorland
Der Landkreis Bad Tölz – Wolfratshausen steht vor einer Phase tiefgreifender struktureller Veränderungen:
- steigende Schülerzahlen bei gleichzeitiger Überlastung der Grundschulen,
- Energiepolitik, die zunehmend zentralistisch gedacht wird, aber vor Ort realisiert werden muss,
- ein Mobilitätssystem, das trotz hoher Investitionen weder zuverlässig noch bezahlbar ist,
- wachsende soziale Spannungen durch Wohnraummangel, Integrationsdefizite und steigende Lebenshaltungskosten.
Unser Ansatz unterscheidet sich bewusst von anderen Parteien:
Wir suchen nicht das spektakuläre Großprojekt, sondern klare, realistische, nachhaltige Lösungen, die innerhalb der kommunalen und landkreisbezogenen Zuständigkeit tatsächlich umgesetzt werden können.
Unsere Politik folgt drei Grundprinzipien:
- Subsidiarität – Entscheidungen müssen dort getroffen werden, wo sie wirken.
- Resilienz – der Landkreis braucht funktionierende, robuste Systeme.
- Vernunft und Maß – keine Ideologie, sondern nachvollziehbare Entscheidungen auf Basis überprüfbarer Kriterien.
2. Bildungspolitik im Landkreis: Entlasten, Stärken, Zukunft sichern
Die Bildungslandschaft im Landkreis steht unter massivem Druck. Grundschulen kompensieren Integrationsanforderungen, Sprachdefizite, Inklusion und steigende sozialemotionale Herausforderungen – ohne dass die Zahl der Lehrkräfte entsprechend steigt. Der Landkreis ist nicht Schulträger der Grundschulen, aber er verantwortet Jugendhilfe, Betreuung, Förderschulen und Unterstützungsstrukturen. Genau dort setzen wir an.
Unser Ziel: Unterricht wieder ermöglichen, Schulen entlasten, Kinder stärken.
2.1 Frühkindliche Sprachförderung: Probleme lösen, bevor sie entstehen
Sprachdefizite sind einer der Hauptgründe für Überlastung in Grundschulen. Wer erst in der 1. Klasse anfängt zu fördern, fördert zu spät.
Unsere Maßnahmen:
- Anerkennung der Sprachstandserhebung im Kindergarten,
- verpflichtende Vorkurse Deutsch bei Bedarf,
- mobile Sprachförderteams, finanziert über Jugendhilfe,
- engere Verzahnung von Kitas und Grundschulen.
Ziel: Alle Kinder starten mit tragfähigen Deutschkompetenzen in die Schule.
2.2 Deutschklassen und Integrationsstrukturen: Belastung raus aus den Regelklassen
Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse benötigen eine intensive Förderung, die im Regelunterricht nicht leistbar ist.
Wir treten ein für:
- Deutschklassen an Grundschulstandorten,
- klare Förderwege und definierte Übergangskriterien,
- landkreisfinanzierte Sozialpädagogen zur Unterstützung der Klassen.
Ziel: Integration beschleunigen und Regelklassen spürbar entlasten.
2.3 Sozialpädagogik stärken: Verhalten, Konflikte und Emotionalität professionell begleiten
Immer mehr Grundschüler haben Konflikt-, Konzentrations- oder Verhaltensprobleme. Diese Herausforderungen überlassen wir nicht länger allein den Lehrkräften.
Wir fordern:
- eine zusätzliche sozialpädagogische Fachkraft für jede Klasse,
- Schwerpunktarbeit zu Konfliktprävention, sozialem Lernen und Elternberatung,
- stärkere Kooperation mit Jugendhilfe und Schulpsychologie.
Ziel: Mehr Lernruhe, weniger Belastung für Lehrkräfte, bessere Entwicklungschancen für Kinder.
2.4 Nachmittagsbetreuung verlässlich ausbauen
Betreuungslücken sind ein reales strukturelles Problem in fast allen Gemeinden. Sie verschärfen Lernungleichheiten und überfordern Familien.
Unsere Maßnahmen:
- verlässliche Betreuung bis mind. 16 Uhr an allen kommunalen Schulen,
- Förderung zusätzlicher Träger und qualifizierten Personals,
- stärkere Verknüpfung von Betreuung und schulischen Förderangeboten.
Ziel: Familien entlasten, Schulen stabilisieren, Lernzeiten erweitern.
2.5 Hausaufgaben neu denken: Lernen in der Schule ermöglichen
Hausaufgaben sind ein massiver Stressfaktor und verstärken soziale Unterschiede. Sie sind zudem Symptom eines Systems, das zu viel auf Familien verlagert.
Der Landkreis kann zwar keine Hausaufgaben abschaffen – aber er kann ermöglichen, dass sie in der Schule erledigt werden.
Unsere Ziele:
- Aufbau strukturierter Lernzeiten in der Nachmittagsbetreuung,
- Kooperation mit Schulen zur Einführung des Modells „Lernzeit statt Hausaufgaben“,
- pädagogische Unterstützung durch Schulpsychologie und Jugendhilfe.
Ziel: Mehr Lernqualität, weniger familiärer Druck, entlastete Lehrkräfte.
2.6 Förderschulen modernisieren: sozial-emotionale Abteilung aufbauen
Es gibt wachsende Gruppen von Kindern mit starkem Unterstützungsbedarf – aber zu wenig spezialisierte Angebote. Die Folge: Überforderung der Grundschulen, Frust bei Lehrkräften, stagnierende Entwicklung bei Kindern.
Wir setzen uns ein für:
- eine eigene sozialemotionale Abteilung an der landkreiseigenen Förderschule,
- tagesstrukturierende und therapeutische Elemente,
- individuelle Förderpläne und intensive Elternarbeit.
Ziel: Passende Angebote für Kinder, realistische Entlastung für Grundschulen.
2.7 Koordinierte Bildungsstrategie: Landkreis und Gemeinden gemeinsam
Der Landkreis bündelt bisher unverbundene Zuständigkeiten. Wir wollen eine koordinierte Strategie:
- regelmäßige Bildungsberichte mit klaren Handlungsempfehlungen,
- systematische Zusammenarbeit von Schulamt, Jugendhilfe, Schulpsychologie, Kommunen,
- gezielte Ressourcensteuerung auf Basis objektiver Bedarfsindikatoren.
Ziel: Ein schlüssiges Bildungssystem, das strukturell trägt – statt Krisenverwaltung im Jahresrhythmus.
3. Energiepolitik: Energiewende ohne Windkraft – Stärke des Oberlands nutzen

Das Oberland ist eine Schwachwindregion. Gleichzeitig ist es eine der sonnenreichsten Regionen Bayerns. Die Energiewende muss regional sinnvoll umgesetzt werden.
Unsere Leitlinie lautet:
Energieautarkie bis 2035 – aber technologieoffen, landschaftsschonend und wirtschaftlich vernünftig.
3.1 Kein Vorrang für Windkraft im Landkreis
- Landschaftsschutz, Tourismus und Lebensqualität haben Priorität.
- Windkraft nur dort, wo eine Kommune sie ausdrücklich will.
- Keine landkreisweite Flächenausweisung, keine aktive Förderung.
- Transparente Kriterien für Standortbewertung durch Landkreis.
3.2 Photovoltaik als Hauptsäule
- Förderung von Agri-PV und Dach-PV.
- Verpflichtende Groß-Batteriespeicher bei neuen Solarparks.
- Förderung der Nachrüstung von Speichern bei bestehenden Parks.
- Unterstützung von Energiegenossenschaften beim Aufbau regionaler Strompools.
3.3 Wasserkraft sinnvoll weiterentwickeln
- Kleine, kommunale Anlagen dort, wo ökologisch vertretbar.
- Vorrang für Modernisierung statt Neubau.
- Beratung und bevorzugte Genehmigungswege durch den Landkreis.
3.4 Wärmeversorgung: Lokale Lösungen statt Bundesvorgaben
Jede Gemeinde braucht eine eigene Wärmeplanung – der Landkreis unterstützt dies organisatorisch und finanziell.
- Identifikation der jeweils besten regionalen Technologien:
- Flusswärmepumpe,
- Tiefen-Geothermie,
- Holz-Hackschnitzel,
- Biogas,
- Blockheizkraftwerke im Flexbetrieb.
- Der Landkreis initiiert ein Wärmeatlas 2035.
3.5 Wärmenetze: Förderung kommunaler Versorgung
- Beratung durch Energiewende Oberland.
- Vernetzung von Kommunen mit spezialisierten Planern.
- Landkreisweite Priorisierung, wo Netze sinnvoll sind – und wo nicht.
4. Verkehr & Mobilität: Zuverlässig, bezahlbar, realistisch
Der Landkreis hat jahrelang auf die S-Bahnverlängerung gesetzt – trotz steigender Kosten, unklarer Realisierungszeitpunkte und massiver Eingriffe in Landschaft und Stadtstruktur.
Wir sagen klar:
Es gibt Alternativen, die schneller, günstiger und zuverlässiger sind.
4.1 Alternative zur S-Bahn: Hochbahn / Ottobahn
Schwebebahnsystem auf Pfeilern entlang bestehender Trassen und der B11 mit Verteilnetzen in Wolfratshausen und Geretsried
- Minimaler Flächenverbrauch.
- Unabhängig von Störungen der Hauptstrecke München.
- Deutlich geringere Bau- und Betriebskosten.
- Deutlich kürzere Realisierungszeit.
- Stärkung der Wirtschaftsregion Geretsried -Wolfratshausen statt „Schlafstadtanbindung“ nach München.
Der Landkreis muss hier Vorreiter werden und ein Pilotprojekt für eine bayerische Modellstrecke initiieren.
4.2 Busverkehr neu denken
- Einsatz kleinerer Minibusse auf nachfrageschwachen Linien.
- Flexible Bedienformen (On-Demand-Busse) ausweiten.
- Integrationsfähigkeit in digitale Plattformen verbessern.
- Evaluierung des Flexbus-Modells Egling/Dietramszell und Rollout auf andere Gemeinden.
4.3 Schulbusse als Teil der Gesamtstrategie
- weitere Harmonisierung mit ÖPNV-Fahrplänen.
- Vermeidung von Doppelverkehren.
- Verbindung von Schul- und Linienbusangeboten in Randzeiten.
5. Gesundheit & Krankenhausstruktur
Zukunft des Krankenhauses Wolfratshausen
- Spezialisierung in Absprache mit Starnberg und Bad Tölz.
- Konzentration auf Bereiche, die dauerhaft bedarfsgerecht finanzierbar sind.
- Optimierung von Abläufen und Reduzierung von Wartezeiten.
- Sicherung der Notfallversorgung im Landkreis.
Eine blinde Schließung lehnen wir ab – wir fordern die Umsetzung eines qualifizierten Strukturkonzepts im Rahmen der aktuellen Krankenhasstrategie.
6. Artenschutz & Landschaftspflege
- Sicherung von Gehölzen, Feldrainen, Bachrändern.
- Erhalt und Pflege der Streuwiesen.
- Förderung von Obstwiesen mit regionalen Sorten.
- Verzicht auf Mulchen entlang der Straßen – stattdessen naturnahe Pflege.
- Landkreisweite Biotopvernetzung.
7. Sozialpolitik
7.1. Wohnraum
- Beschleunigung kommunaler und genossenschaftlicher Wohnprojekte.
- Erleichterung für Minihäuser und alternative Wohnkonzepte.
- Baurechtliche Beratung für Gemeinden.
7.2. Schutz von Frauen und Kindern
- Ausbau des Frauenhauses.
- Stärkere Unterstützung von Gewaltpräventionsprogrammen.
- Vernetzung Landkreis – Polizei – Jugendhilfe.
8. Schlusswort
Ein Wahlprogramm ist kein Wunschzettel. Es ist ein Arbeitsplan für die nächsten sechs Jahre. Wir setzen auf:
- bildungspolitische Entlastung,
- realistische und landschaftsschonende Energiewende,
- moderne, praktikable Mobilität,
- sorgfältige Landschaftspflege,
- sozialen Ausgleich.
Unser Leitmotiv bleibt:




